Auswirkungen der russischen Invasion auf den europäischen Zuckersektor

Bedeutung der Landwirtschaft für die strategische Autonomie Europas

Angesichts der schrecklichen Nachrichten in der Ukraine, hat die Internationale Vereinigung der Europäischen Rübenanbauer (CIBE) einige Zahlen und Informationen zur aktuellen Situation der Zuckerproduktion in der Ukraine sowie in Russland zusammengefasst. Dies umfasst auch den Handel mit der EU.

In der Ukraine werden jedes Jahr durchschnittlich rund 1,2 Millionen Tonnen Zucker produziert. Exporte liegen laut der Internationalen Zucker-Organisation (ISO) zwischen 150.000 und 500.000  Tonnen, wobei die Ukraine über ein EU-Freihandelsabkommen von rund 20.000 Tonnen pro Jahr verfügt. Dieses Freihandelskontigent wird überwiegend von Spanien, Rumänien und Bulgarien abgenommen.

Die russische Zuckerproduktion liegt durchschnittlich zwischen 5 und 8 Millionen Tonnen pro Jahr. Für den Export stehen jährlich 0,5 bis 1,5 Millionen Tonnen zur Verfügung, die hauptsächlich von den Nachbarländern Usbekistan, Kasachstan, Turkmenistan, Aserbaidschan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan etc. abgenommen werden. Die Weißzuckerausfuhren der EU27 nach Russland beliefen sich in den Jahren 2019 und 2020 auf rund 20.000 Tonnen.

Im Falle von Beschränkungen im Zuckerhandel zwischen der EU27 und der Ukraine bzw. Russland hätte dies laut Angaben der CIBE keine größeren Auswirkungen auf die Zuckerbilanz der EU27.

Anders sieht es hingegen bei den Zucker-Nebenprodukten aus, denn die EU27 sind zusammen mit Großbritannien ein Nettoimporteur von Rübenschnitzel mit rund 900.000 Tonnen pro Jahr. Russland, Belarus und die Ukraine sind damit die Hauptlieferanten von Rübenschnitzel in der EU. Die wichtigsten EU-Importeure von Rübenschnitzel sind Spanien, Irland, Dänemark, Italien, Griechenland und Polen. Zudem zählt Russland auch zu einer der Hauptlieferanten von Rübenmelasse in die EU. Hauptabnehmer-Länder sind hier Spanien, Italien, Portugal, Belgien und Dänemark.

Der europäische Dachverband der Landwirte und der landwirtschaftlichen Genossenschaften (copa*cogeca) ruft angesichts der russischen Invasion zu einer vereinten europäischen und internationalen Zusammenarbeit auf. Die Destabilisierung der Ukraine habe bereits wichtige globale Konsequenzen, denn sowohl die Ukraine als auch Russland seien wichtige internationale Agrarexporteure. So bezieht die EU ein Viertel des Getreides aus der Ukraine;  auch Pflanzenöle und Mais gehören zu den wichtigsten Importprodukten der EU. copa*cogeca mahnt an, dass daher nicht nur die Energieversorgung, sondern auch die Landwirtschaft eine entscheidende Rolle spiele. Um ein starkes und friedliches Europa zu erhalten, sei die Gewährleistung der Ernährungssicherheit und der Lieferketten grundlegend. EU-Entscheidungsträger müssten daher entschlossen und schnell handeln.