Insektenschutz muss sich an wissenschaftlichen Grundlagen orientieren

Am 10. Februar will das Bundeskabinett den Entwurf des Insektenschutzgesetzes beschließen. Dieses sieht u. a. ein Verbot von Bioziden, Herbiziden und Insektiziden in besonders geschützten Gebieten vor, in denen dann die land- und forstwirtschaftliche Nutzung weitreichend eingeschränkt würde. Bisher konnten sich die Bundesumwelt- und die Bundeslandwirtschaftsministerin noch nicht endgültig einigen, wie restriktiv das Verbot ausfallen und welche Ausnahmen eventuell möglich sein könnten.

Wesentliche Punkte des Insektenschutzpakets sind:

  • Biozide sollen in Naturschutzgebieten, Nationalparken, nationalen Naturmonumenten, Naturdenkmälern und Gebieten von gemeinschaftlicher Bedeutung sowie in gesetzlich geschützten Biotopen verboten werden.
  • In diesen Gebieten sowie in Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH-Gebieten) soll zudem der Einsatz von Herbiziden sowie biodiversitätsschädigenden Insektiziden verboten werden.
  • Kein Pflanzenschutz innerhalb von 10 Metern zur Böschungsoberkante von Gewässern. Der Abstand verringert sich auf 5 Meter, wenn der Randstreifen dauerhaft begrünt wird.

Im Zuckerrübenanbau konnte der Pflanzenschutzaufwand in der Vergangenheit durch die insektizide Beizung erheblich reduziert werden. Diese umweltverträgliche und mit größtem Effekt behaftete Maßnahme steht seit 2018 durch das Neonicotinoid-Verbot in der EU nicht mehr zur Verfügung. 14 der insgesamt 20 Zuckerrüben anbauenden Ländern Europas haben für die kommende Aussaat allerdings eine Notfallzulassungen erwirkt. Auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein dürfen in einigen Regionen und unter strengen Auflagen solche Zuckerrüben-Beizen 2021 genutzt werden. Für Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt wurde hingegen keine Ausnahmeregelung genehmigt.

Aus Sicht der landwirtschaftlichen Praxis sollte sich das geplante Insektenschutzgesetz an wissenschaftlichen Grundlagen orientieren und dabei auch eine Folgenabschätzung beinhalten.