EU-Aktionsplan muss grundlegenden Bedarf an Nährstoffen berücksichtigen

Die EU-Kommission will in diesem Jahr einen Aktionsplan für integriertes Nährstoffmanagement ausarbeiten, um die Einhaltung der Anforderungen der EU-Nitratrichtlinie  zu überprüfen. In Deutschland soll dies durch die Düngemittelverordnung umgesetzt werden.

Im Rahmen der Umsetzung der „Farm-to-Fork“-Strategie sollen die Nährstoffverluste bei gleichbleibender Bodenfruchtbarkeit um mindestens 50 Prozent verringert werden. Um dies zu erreichen, müssen einschlägige Umwelt- und Klimavorgaben vollständig umgesetzt und durchgesetzt werden, heißt es seitens der EU-Kommission. Gemeinsam mit den Mitgliedstaaten müsse  ermittelt werden, in welchem Umfang die Nährstoffbelastung zur Erreichung dieser Ziele gesenkt werden muss und wie eine ausgewogene Düngung und eine nachhaltige Nährstoffbewirtschaftung auszusehen hat. Dabei ist auch die Stickstoff- und Phosphorbewirtschaftung während des gesamten Lebenszyklus der Pflanzen zu betrachten.

Die internationale Vereinigung europäischer Rübenanbauer (CIBE) nimmt dazu für den europäischen Rübensektor Stellung. Sie weist darauf hin, dass  aus einer kleinen Saatgutpille im Laufe der Vegetation eine etwa 1.000 Gramm schwere Zuckerrübe heranwächst. Um diese enorme Gewichtszunahme insbesondere der Trockenmasse zu erreichen, benötigt die Pflanze ausreichend hohe Temperaturen, genügend Wasser und nicht zuletzt geeignete und ausreichende Nährstoffe. Nährstoffe werden so weit wie möglich vom Boden bereitgestellt, müssen jedoch durch eine optimale Ausbringung von Dünger ergänzt werden. CIBE betont daher, dass beim geplanten Aktionsplan für ein integriertes Nährstoffmanagement der grundlegende Bedarf der Kulturpflanzen an der jeweils angemessenen Nährstoffversorgung während ihres gesamten Wachstums anerkannt werden sollte. Zudem müsse es einen umfassenden Überblick über bereits bestehenden Praktiken bzw. Systeme geben, die einen angemessenen und gezielten Einsatz von Düngemitteln gewährleisten.

In diesem Zusammenhang erinnert CIBE daran, dass beispielsweise in Frankreich der Einsatz von mineralischem N-Dünger von rund 160 kg/ha in den 1980er Jahren auf weniger als die Hälfte dieser Menge in den 2010er Jahren reduziert wurde. In den Niederlanden wurde in den letzten 20 Jahren mehr als 20 Prozent Stickstoff reduziert. In Belgien, Süddeutschland und Österreich habe sich die Ausbringungen von Stickstoff und Phosphor seit den 1980er Jahre sogar mehr als halbinert. Ferner haben die Beratungsangebote zu einem ausgewogenen Düngemitteleinsatz insbesondere in Dänemark, Schweden und Finnland stark zugenommen.

In Bezug auf das Überangebot an Phosphor in landwirtschaftlichen Böden weist die CIBE darauf hin, dass dieses Problem nicht in der gesamten EU weit verbreitet ist, sondern auf bestimmte Mitgliedstaaten – und hier auf bestimmte Regionen – beschränkt ist. Tatsächlich sind landwirtschaftliche Böden in vielen Regionen der EU mit Phosphor unterversorgt!

Grundsätzlich befürwortet die CIBE einen Aktionsplan, der zu einer weiteren Verbesserung des Einsatzes von Düngemitteln führt – sei es durch weitere Vorteile für Ernteertrag und -qualität und/oder eine weitere Verbesserung der Bodenstruktur und des Bodennährstoffzustands mit wiederum positiven Auswirkungen auf den Ernteertrag und die Qualität. Entsprechende Techniken müssen jedoch für die Erzeuger verfügbar, sicher, effektiv und erschwinglich sein.

Nicht zuletzt sollten innovative Züchtungstechniken dazu beitragen, Pflanzensorten zu entwickeln, die die verfügbaren Nährstoffe effizienter nutzen und damit weniger Düngemitteleinsatz pro produzierter Ernteeinheit erforderlich ist. Daher sollten die EU-Kommission und die Mitgliedsländer so schnell wie möglich ein positives Signal für neue Züchtungstechniken geben und einen einheitlichen gesetzlichen Rahmen dafür schaffen.