Pflanzenschutz für die Süße vom Acker

Dirk Wollenweber führte als Moderator durch das Forum „Die Süße vom Acker - Herausforderungen beim Pflanzenschutz in Zuckerrüben“.

Wie groß das Interesse an der Rübe und ihrem Schutz ist, zeigt das Publikumsinteresse an dem DLG-Forum: „Die Süße vom Acker – Herausforderungen beim Pflanzenschutz in Zuckerrüben“: Nahezu jeder Stuhl war am Agritechnica-Dienstag in Halle 15 auf dem Fachforum besetzt, um zu erfahren, welche Möglichkeiten es künftig geben wird, den Rübenanbau weiterhin wirtschaftlich zu gestalten. Moderator Dirk Wollenweber, Geschäftsführer des Zuckerrübenanbauerverbandes Südniedersachsen, begrüßte rund 50 Fachbesucher  sowie die Referenten Stephen Baumgarten, ARGE NORD, Söhnke Schlüter, Landwirt in der Agrar Vorharz GBR und Carsten Prüße, K.U.L.T.-Kress GmbH.

Herausforderungen beim chemischen Pflanzenschutz

Die chemische Unkrautkontrolle in Zuckerrüben steht vor enormen Herausforderungen: Resistenzen bei Unkräutern nehmen zu. Aber vor allem  sehen sich Landwirte in einer gesellschaftlichen Diskussion zum Einsatz chemischer Wirkstoffe involviert, die oft ohne Sachargumente geführt wird. Es entsteht der Eindruck, dass selbst politische Mandatsträger ihre Entscheidungen mehr nach einer Zeitgeist-Politik treffen als nach wissenschaftlichen Erkenntnissen. Hier gilt es auf sachlicher Ebene den Dialog zu suchen. „Wir als Zuckerrübenanbauer nehmen die Diskussion auf.“, so Wollenweber in seiner Anmoderation zum Forum.

Unkrautbekämpfung wird schwieriger

Der nationale Aktionsplan Pflanzenschutz sieht vor, Risiken in der Anwendung von Pflanzenschutzmaßnahmen für den Naturhaushalt bis 2023 um 30 Prozent zu reduzieren. Dies ist nur möglich, wenn die Anwendung von Pflanzenschutzmittel eingeschränkt, neue Technologien in die landwirtschaftliche Praxis eingeführt und nicht-chemische Verfahren gefördert werden, so Baumgarten in seinem Vortrag. Hier leistet die ARGE NORD mit verschiedenen Herbizidsystemversuchen einen wichtigen Beitrag. Baumgarten erläutert, wie Unkräuter bei rückläufiger Verfügbarkeit von herbiziden Wirkstoffen bekämpft werden können und bezieht dabei auch den Einfluss kombinierter chemisch-mechanischer Unkrautkontrolle in Zuckerrüben mit ein. Er stellt fest, dass Unkrautbekämpfung schwieriger wird, wenn Betanale wie Desmedipham ab 2021 nicht mehr einsetzbar sind. Doch Versuchsergebnisse haben gezeigt, dass auch ohne diese Wirkstoffgruppe hohe Wirkungsgrade weiterhin möglich sind. Mit der Förderung nicht-chemischer Verfahren rücke die Hacktechnik wieder mehr in den Fokus.

Praxiserfahrungen mit Hacke und Bandspritze

Landwirt Schlüter hat in seiner Agrar Vorharz GbR erste Erfahrungen gesammelt, wie eine Kombination aus chemisch-mechanischer Unkrautkontrolle mittels Hacke und Bandspritze aussehen kann und welche Kosten dabei veranschlagt werden können. In seinem Vortrag berichtet er von seinen einjährigen Erfahrungen aus 2019 mit dem probeweisen Hackeinsatz. Dabei wurde die erste NAK als Flächenspritzung durchgeführt, und die zweite NAK erfolgte als Bandspritzung mit Reihenhacke. Durch die Bandspritzung konnte etwa 40 Prozent der Pflanzenschutzmittel gegenüber einer Flächenspritzung eingespart werden. Eine Maschinenhacke mit Gänsefußscharen sowie ein Kameragesteuertes Lenksystem ergänzten die Maßnahme. Auf die dritte NAK wurde verzichtet und stattdessen kurz vor Reihenschluss mit einer Maschinenhacke durch den Bestand gefahren. Im Gegensatz zur konventionellen Flächenbehandlung waren die Kosten für Pflanzenschutzmittel geringer, die Arbeitserledigungskosten jedoch deutlich höher, so dass insgesamt leicht erhöhte Kosten für das Hacke-Bandspritze-Verfahren zu veranschlagen waren. Mit der Wirksamkeit der chemisch-mechanischer Unkrautkontrolle ist Schlüter zufrieden. Er will dieses Verfahren auch auf andere Standorte übertragen, um weitere Erfahrungen zu sammeln.

Unkrautmanagement ohne Chemie

Wie Unkrautmanagement ohne chemischen Pflanzenschutz gelingen kann, stellt Carsten Prüße von K.U.L.T.-Kress in seinem Vortrag vor. Diese gehe über den reinen Technikeinsatz hinaus. Die Vorbereitung des Ackers auf die Saat gelingt zum Beispiel durch ein sogenanntes falsches Saatbeet, das in der Regel 14 Tage vor Aussaat erfolgen sollte bei einer Bodentemperatur von ca. 15 Grad Celsius. Zur Saat empfiehlt er ein zwei Zentimeter tiefes, ganzflächiges Hacken mit anschließender Aussaat. Somit sei der erste Unkrautdruck gebannt. Für die mechanische Unkrautbekämpfung in Reihenkulturen bietet K.U.L.T.-Kress innovative Lösungen. In der Reihe hat sich eine Selektivhacke mit Kamerasystem bewährt. Dazu müsse die Kulturpflanze allerdings groß genug sein und die Unkräuter dürften nicht größer sein als das Keimblattstadium. Mit diesem Wissen und innovativer Technik sei ein mechanischer Pflanzenschutz ohne Chemie durchaus rentabel.

In der Diskussion wurde das Hacken dahingehend kritisch hinterfragt, dass in Hanglagen oder auf Wasser- bzw. Winderosionsanfälligen Standorten eher negative Effekte zu erwarten sind. Hier wäre die Entwicklung anderer Verfahren zur nicht-chemischen Unkrautbekämpfung ohne intensive Störung der Mulchauflage und des Oberbodens notwendig.

Fazit: Zeit und Ressourcen notwendig

Moderator Wollenweber fasst zusammen, dass eine Reduzierung des Herbizidaufwandes auch über mechanische Verfahren zur Unkrautkontrolle möglich ist. Dies stellt den Rübenanbau allerdings vor zusätzliche Herausforderungen. Um weiterhin wettbewerbsfähig zu sein, sind deswegen Innovationen im Anbau und im Pflanzenschutz notwendig. Dazu braucht es Zeit und finanzielle Förderung für eine praxisorientierte und effiziente Forschung und Entwicklung neuer Verfahren.