Auswirkungen von Covid-19 auf den EU-Zuckersektor

Die internationale Vereinigung der Europäischen Rübenanbauer (CIBE) und die Vereinigung Europäischer Zuckerhersteller (CEFS) haben sich am 20. März 2020 angesichts der Ausbreitung des Coronavirus mit einem Brief an den EU-Agrarminister Janusz Wojciechowski gewandt. Darin äußern sie ihre Sorge für den europäischen Zuckersektor als Folge einer Ausbreitung der Covid-19-Pandemie. Die Zuckerrübenanbauer und Zuckerunternehmen stünden vor Herausforderungen, um ausreichend Produkte für den EU-Binnenmarkt im Sinne der Nahrungsmittelsicherheit zu produzieren. Der EU-Zuckersektor sei bereit, seine Ethanol-Produktion auch für pharmazeutische Zwecke zur Verfügung zu stellen, damit etwa ausreichend Desinfektionsmittel produziert werden könnten. Ferner machen CIBE und CEFS darauf aufmerksam, dass Zucker ein wesentlicher Bestandteil unserer Nahrung ist und daher der Transport in EU-Länder weiterhin sichergestellt werden müsse.

Die sich gerade erholende Zuckermärkte haben mit dem Ausbruch von Covid-19 einen jähen Dämpfer erlitten: Die Weltmarktpreise für Zucker sind seit Mitte Februar um 25 Prozent eingebrochen. Dies ist u. a. auf niedrige Ölpreise und Währungsverfall zurückzuführen. Durch den derzeitig ungünstigen Wechselkurs von US-Dollar und Brasilianischem Real will Brasilien daher seine Rohrzuckerverarbeitung von Ethanol- auf Zuckerproduktion umstellen und damit vermehrt Zucker für den Weltmarkt produzieren. Da der Weltzuckermarkt eng mit dem EU-Zuckermarkt verknüpft ist, befürchten CIBE und CEFS durch diese Maßnahme zusätzlichen Druck auf den europäischen Markt.

Nach drei Krisenjahren auf dem EU-Binnenmarkt appellieren beide zuckerwirtschaftlichen Spitzenverbände daran, dass von Covid-19 ausgehende Risiko für den Zuckersektor durch marktpolitische Eingriffe zu minimieren. Gefordert wird ein Sicherheitsnetz mit Hilfen für die private Lagerhaltung. Damit soll ein erneuter Preisverfall verhindert oder zumindest eingedämmt werden. Laut Angaben beider Verbände sind 360.000 Menschen im EU-Zuckersektor beschäftigt – 80 Prozent davon in ländlichen Gebieten.