CIBE schätzt Einnahmeverluste durch Covid-19-Pandemie auf 1,6 Milliarden Euro

Während sich Europa langsam von der Corona-Pandemie erholt, befindet sich der Weltmarktpreis für Weißzucker weiter auf niedrigem Niveau. So geht die internationale Zuckerorganisation (ISO) in ihrem jüngsten Bericht von einer Reduktion des globalen Zuckerverbrauch von 2,1 Mio. Tonnen aus. Das entspricht einem weltweiten Rückgang von 1,2 Prozent.

In Europa ist der Rückgang hauptsächlich auf die Schließung von Bars, Restaurants etc. zurück zu führen. Der französische Zuckerproduzent Tereos schätzt, dass während des Lockdowns 10 Prozent weniger Haushaltszucker konsumiert, 25 Prozent weniger Zucker durch Getränke aufgenommen und 24 bzw. 27 Prozent weniger Zucker in Form von Eis bzw. Schokolade verzehrt wurde. Insgesamt sollen in Europa zwischen 120.000 bis 300.000 Tonnen weniger Zucker konsumiert worden sein als von Experten vor Ausbruch der Pandemie angenommen.

Doch nicht nur der Zucker- auch der Ethanolbereich ist von der Pandemie betroffen. So seien in Brasilien die Ethanolverkäufe um 24 Prozent geringer gewesen als im Vorjahrszeitraum. Die brasilianischen Zuckermühlen haben daher ihre Produktion von Ethanol größtenteils auf Zucker umgestellt. Auch in Europa ist Ethanol weniger nachgefragt worden: im März 2020 ist der Absatz um 10 Prozent und im April 2020 um 55 Prozent gesunken.

Dem sinkenden Konsum steht eine steigende Produktion entgegen: Brasilien beispielsweise erwartet für 2020/21 eine Zuckerproduktion von 38 Mio. Tonnen. Dies entspricht  einer Steigerung um rund 10 Mio. t gegenüber dem Vorjahr. Diese Menge steht dann auch zusätzlich für den Export zur Verfügung. Auch Indien rechnet mit einem größeren Zuckervolumen: Aufgrund erhöhter Niederschläge während der Vegetationsperiode soll aus dem indischen Zuckerrohr 32 Mio. Tonnen Zucker gewonnen werden. Dies ist eine Steigerung um knapp 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Thailand als zweitgrößte Zuckerexporteur der Welt wird seine Zuckerproduktion 2020/21 voraussichtlich ebenfalls steigern, und zwar um 2,4 Prozent auf 8,5 Mio. Tonnen. Nach Schätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums wird 2020/21 die globale Zuckerproduktion um13,2 Prozent auf 188,1 Mio. Tonnen zunehmen. Weltweit sinken damit die Endbestände nur um 2 Prozent auf 43,55 Mio. Tonnen.

Die durchschnittlichen Zuckerpreise in der EU bewegen sich angesichts der aktuellen Entwicklungen daher eher auf die Zuckerreferenzschwelle von 404 Euro je Tonne zu, statt – wie noch vor Beginn der Aussaat erhofft – auf die Preisschwelle von 500 Euro je Tonne. Dieser Wertverlust von 100 Euro je Tonne ist nach Auffassung der Internationalen Vereinigung der Europäischen Zuckerrübenanbauer (CIBE) als direkte Folge der COVID-19-Krise zu werten. Auch zollfreie Präferenzeinfuhren haben dazu beigetragen, dass teilweise der Weltmarktpreis unter 350 Euro je Tonne Zucker gefallen ist. Dies zeigen auch die Import- bzw. Exportzahlen: Ende Mai 2020 lagen die Zuckerimporte der EU um 8,4 Prozent höher, während die Exporte im gleichen Zeitraum um 57 Prozent unter dem des Vorjahres blieben.

Insgesamt beziffert die CIBE den Wertverlust in der kommenden Saison mit 1,6 Mrd. Euro für den europäischen Rübenzuckersektor.