Nachhaltige Biokraftstoffe können REPowerEU-Strategie stärken

Anlässlich des russischen Angriffskrieges und der aktuellen Tank-Teller-Debatte, haben Vertreter der Biokraftstoff-Branche in einem offenen Brief an die EU-Kommission deutlich gemacht, welchen Beitrag nachhaltige Biokraftstoffe leisten können. Neben der EU- Präsidentin Ursula von der Leyen werden auch die EU-Kommissare für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Binnenmarkt, Umwelt und Landwirtschaft adressiert.

Europa ist zwar schon seit mehreren Monaten mit einem Anstieg der Energiepreise konfrontiert, das Problem wird jetzt aber durch die unsichere Versorgung verschärft. Durch die im März 2022 vorgelegten Vorschläge unter dem Titel „REPowerEU“ sollen die Gasversorgung diversifiziert und die Einführung von Gas aus erneuerbaren Quellen für Heizung und Stromerzeugung beschleunigt werden. Die Notwendigkeit Europas, seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und seine Energieunabhängigkeit zu sichern, ist dringlicher denn je.  

Verbände[1] auf europäischer und nationaler Ebene, die Europas Landwirte und Agrargenossenschaften, die Pflanzenölproduktion, erneuerbares Ethanol und Biodieselsektoren vertreten, fordern die EU-Kommission auf, nachhaltige Biokraftstoffe in ihre Strategiepläne miteinzubeziehen. Biokraftstoffe hätten sich bewährt, würden im Inland produziert und verfügten über erschwingliche Technologien zur nachhaltigen und sofortigen Reduzierung der Emissionen im Straßenverkehr. Als führende Quelle für erneuerbare Energien spielten sie schon jetzt eine wertvolle, strategische Rolle. Die Verbände verweisen dabei auf den jüngsten Eurostat-Bericht, wonach Biokraftstoffe insgesamt mehr als 90 Prozent der erneuerbaren Energien im Verkehr ausmachen.

Damit die EU das Ziel einer Energie- und Nahrungsmittelunabhängigkeit vollständig verwirklichen könne, müsse der gesamte Bioenergiesektor mobilisieren werden, so die Verbände in ihrem Brief. Die Bioraffinerien innerhalb der EU müssten dazu voll ausschöpft werden, um nachhaltig angebaute Rohstoffe in Lebensmittel, Futtermittel, Kraftstoffe und andere wertvolle Nebenprodukte umzuwandeln. Europa sei dazu eindeutig in der Lage, ist sich die Branche sicher. Ethanol und Biodiesel aus nachhaltigen Rohstoffen reduzierten nachweislich die Treibhausgasemissionen von Benzin-, Diesel- und Hybrid-Pkw, Lieferwagen, Lastkraftwagen und Bussen. Neue Infrastrukturinvestitionen wären hier nicht separat erforderlich.

Ferner trage die Produktion von Biokraftstoffen in europäischen Bioraffinerien auch zur Ernährungssicherheit der EU bei. Denn sie lieferten wichtige Protein-Nebenprodukte für die menschliche und tierische Ernährung. Zudem ersetzten Abfälle und Rückstände, die sonst entsorgt würden, fossil-basierte Chemikalien in unterschiedlichen Anwendungen – von Kosmetika und Händedesinfektionsmitteln bis hin zu Lösungsmitteln und Beschichtungen.

Für die Ausarbeitung der REPowerEU-Strategie machen die Verbände daher darauf aufmerksam, dass nachhaltige Biokraftstoffe noch vielfältiger und effektiver genutzt werden könnten. Aktuell würden sie helfen, importiertes Öl zu ersetzen.


[1] CEFS, CEMP, CIBE, CopaCogeca, EBB, EOA, ePure, EWABA, FEDIOL, APPA, APPB, Assitol, Assocostieri, Assodistil, BDBe. KIB. MVO, SNPAA, VDB.