Aktuelle Meldungen

Stellungnahme der deutschen Zuckerwirtschaft zur geplanten EU-Pflanzenschutz-Verordnung

Die EU-Kommission hat im Juni einen Entwurf zur Verordnung des EU-Parlaments und des Rates über die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln vorgestellt. Hintergrund ist, dass die bisherige Richtlinie von 2009 bis zum Stichtag 26.11.2011 von einigen EU-Mitgliedsstaaten nur mangelhaft umgesetzt wurde. Daher plant die EU-Kommission nun, strengere Vorschriften in Form einer Verordnung auf den Weg zu bringen, die unmittelbar in allen Mitgliedstaaten gelten soll. Mit dieser verbindlichen Rechtsvorschrift sollen gleichzeitig auch die Ziele des Green Deals und der Farm-to-Fork-Strategie erfüllt werden. Die konsequente Harmonisierung der bisher weitgehend nationalen politischen Rahmenbedingungen hinsichtlich des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln könnte zwar dazu beitragen, Handelsverzerrungen zwischen den Mitgliedstaaten zu verringern und würde damit den EU-Binnenmarkt stärken. Kritisch anzumerken ist aber, dass damit die Anwendungsvorschriften gleichzeitig erheblich verschärft und neue bürokratische Hürden für die Landwirtschaft aufgebaut werden.

Der derzeitige EU-Vorschlag beinhaltet im Wesentlichen folgende Zielsetzungen:

 1.     Halbierung des chemischen Pflanzenschutzes bis 2030

2.     Verpflichtung zur Umsetzung des integrierten Pflanzenschutzes

3.     Flächendeckende Erfassung und Kontrolle von Anwendungsdaten

4.     Öffentliche Konsultationen bei der Aufstellung von kulturspezifischen Vorschriften

5.     Verbot für chemische Pflanzenschutzmittel in Schutzgebieten

Seitens des landwirtschaftlichen Berufsstandes, der Pflanzenschutzindustrie sowie von zahlreichen Verbänden und Interessengemeinschaften regt sich Widerstand gegen die geplante Verordnung. Namens der deutschen Rüben- und Zuckerwirtschaft hat auch die  Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) eine eigene Stellungnahme verfasst. Darin kritisiert sie u.a. die willkürlichen Reduktionsziele für chemische Pflanzenschutzmittel und fehlende Alternativen. Zudem sei der Zeitrahmen unrealistisch, um tragfähige alternative Lösungen in Bezug auf Verfügbarkeit, Erschwinglichkeit, Wirksamkeit und Nachhaltigkeit zu entwickeln. Moderne technische Innovationen wie Spot- und Smart-Spray-Applikationen oder Hacke-Bandspritze-Kombinationen könnten helfen, Pflanzenschutzmittel künftig noch gezielter einzusetzen und im Gesamtumfang deutlich einzusparen. Um da hinzukommen, sei aber die finanzielle Förderung von Investitionen in innovative Verfahren wesentlich hilfreicher als das Anordnen von Verboten. Die WVZ spricht sich zudem für schnellere Genehmigungsverfahren aus und fordert die EU-Kommission auf, die Anwendung von neuen genomischen Züchtungstechniken in der EU zu ermöglichen.

Nach aktueller Einschätzung würde die unveränderte Umsetzung der EU-Pläne den Rübenanbau in Deutschland erheblich gefährden. Die Auswirkungen wären zudem regional sehr unterschiedlich, da z. B. die Landwirtschaft in bestimmten Schutzgebieten besonders betroffen wäre. In einigen Regionen müssten die Betriebe möglicherweise den Rübenanbau komplett einstellen. Dies würde insbesondere für die betroffenen Zuckerfabriken zu erheblichem Rohstoffmangel führen und damit diese Verarbeitungsstandorte in Frage stellen. Verluste von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung im ländlichen Raum wären unweigerlich die Folge. Auch die Umstellung auf Ökolandwirtschaft wird keine echte Alternative sein, da die Absatzmärkte für Biozucker bereits heute gesättigt sind.

Den vollständigen Text der WVZ-Stellungnahme finden Sie hier.

Nachhaltige Biokraftstoffe können REPowerEU-Strategie stärken

Anlässlich des russischen Angriffskrieges und der aktuellen Tank-Teller-Debatte, haben Vertreter der Biokraftstoff-Branche in einem offenen Brief an die EU-Kommission deutlich gemacht, welchen Beitrag nachhaltige Biokraftstoffe leisten können. Neben der EU- Präsidentin Ursula von der Leyen werden auch die EU-Kommissare für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Binnenmarkt, Umwelt und Landwirtschaft adressiert.

Europa ist zwar schon seit mehreren Monaten mit einem Anstieg der Energiepreise konfrontiert, das Problem wird jetzt aber durch die unsichere Versorgung verschärft. Durch die im März 2022 vorgelegten Vorschläge unter dem Titel „REPowerEU“ sollen die Gasversorgung diversifiziert und die Einführung von Gas aus erneuerbaren Quellen für Heizung und Stromerzeugung beschleunigt werden. Die Notwendigkeit Europas, seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und seine Energieunabhängigkeit zu sichern, ist dringlicher denn je.  

Verbände[1] auf europäischer und nationaler Ebene, die Europas Landwirte und Agrargenossenschaften, die Pflanzenölproduktion, erneuerbares Ethanol und Biodieselsektoren vertreten, fordern die EU-Kommission auf, nachhaltige Biokraftstoffe in ihre Strategiepläne miteinzubeziehen. Biokraftstoffe hätten sich bewährt, würden im Inland produziert und verfügten über erschwingliche Technologien zur nachhaltigen und sofortigen Reduzierung der Emissionen im Straßenverkehr. Als führende Quelle für erneuerbare Energien spielten sie schon jetzt eine wertvolle, strategische Rolle. Die Verbände verweisen dabei auf den jüngsten Eurostat-Bericht, wonach Biokraftstoffe insgesamt mehr als 90 Prozent der erneuerbaren Energien im Verkehr ausmachen.

Damit die EU das Ziel einer Energie- und Nahrungsmittelunabhängigkeit vollständig verwirklichen könne, müsse der gesamte Bioenergiesektor mobilisieren werden, so die Verbände in ihrem Brief. Die Bioraffinerien innerhalb der EU müssten dazu voll ausschöpft werden, um nachhaltig angebaute Rohstoffe in Lebensmittel, Futtermittel, Kraftstoffe und andere wertvolle Nebenprodukte umzuwandeln. Europa sei dazu eindeutig in der Lage, ist sich die Branche sicher. Ethanol und Biodiesel aus nachhaltigen Rohstoffen reduzierten nachweislich die Treibhausgasemissionen von Benzin-, Diesel- und Hybrid-Pkw, Lieferwagen, Lastkraftwagen und Bussen. Neue Infrastrukturinvestitionen wären hier nicht separat erforderlich.

Ferner trage die Produktion von Biokraftstoffen in europäischen Bioraffinerien auch zur Ernährungssicherheit der EU bei. Denn sie lieferten wichtige Protein-Nebenprodukte für die menschliche und tierische Ernährung. Zudem ersetzten Abfälle und Rückstände, die sonst entsorgt würden, fossil-basierte Chemikalien in unterschiedlichen Anwendungen – von Kosmetika und Händedesinfektionsmitteln bis hin zu Lösungsmitteln und Beschichtungen.

Für die Ausarbeitung der REPowerEU-Strategie machen die Verbände daher darauf aufmerksam, dass nachhaltige Biokraftstoffe noch vielfältiger und effektiver genutzt werden könnten. Aktuell würden sie helfen, importiertes Öl zu ersetzen.


[1] CEFS, CEMP, CIBE, CopaCogeca, EBB, EOA, ePure, EWABA, FEDIOL, APPA, APPB, Assitol, Assocostieri, Assodistil, BDBe. KIB. MVO, SNPAA, VDB.

Wirtschaftsminister Althusmann im Gespräch mit Landwirten und Verbänden

Am Freitag, den 06. Mai 2022 besuchte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann den Landkreis Uelzen. Auf ihren landwirtschaftlichen Betrieb eingeladen hatte Juliane von der Ohe aus Haarstorf, Mitglied in der Regionalvertretung des Rübenanbauer- und Aktionärsverband Nord e.V. und Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung der CDU.

Althusmann diskutierte mit Vertretern aus Regionalpolitik, der Landtechnik (Firma Fasterholt), des Bauernverbandes Nordostniedersachsen e.V., der VSE und des Rübenanbauer- und Aktionärsverbandes Nord e.V. wie sich Ertrags- und Ernährungssicherheit mit dem steigenden Wasserbedarf für Feldberegnung unter Berücksichtigung des Klimawandels langfristig vereinbaren lassen.

Einen Lösungsansatz bietet das Uelzener Beregnungsunternehmen mit neuster Technik zur effizienten Ausbringung über ein Gestänge. Mit digitalen Anwendungen zur Ermittlung der Bodenfeuchte per Sonde, der automatischen Sektorensteuerung per App oder die Vernetzung von Daten einer eigenen Feldwetterstation werden modernste Techniken zur Unterstützung der Anbauer angeboten.

Voraussetzung ist die Netzabdeckung in ländlichen Regionen und die Kompatibilität der Anwendungen untereinander, waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig. Eckhard Hinrichs, Vorsitzender des Rübenanbauer- und Aktionärsverbandes Nord e.V. machte klar: Die Politik muss für digitale Infrastruktur und Förderprogramme sorgen, damit sich diese Techniken in der Praxis rechnen!

Im Gespräch mit Digitalstaatssekretär Stefan Muhle wurden die Möglichkeiten zur Förderung von digitalen Beregnungstechniken erörtert. Es sollen weitere Gespräche folgen, um konkrete Maßnahmen zu erarbeiten.

Der niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung Dr. Bernd Althusmann.

EU-Aktionsplan muss grundlegenden Bedarf an Nährstoffen berücksichtigen

Die EU-Kommission will in diesem Jahr einen Aktionsplan für integriertes Nährstoffmanagement ausarbeiten, um die Einhaltung der Anforderungen der EU-Nitratrichtlinie  zu überprüfen. In Deutschland soll dies durch die Düngemittelverordnung umgesetzt werden.

Im Rahmen der Umsetzung der „Farm-to-Fork“-Strategie sollen die Nährstoffverluste bei gleichbleibender Bodenfruchtbarkeit um mindestens 50 Prozent verringert werden. Um dies zu erreichen, müssen einschlägige Umwelt- und Klimavorgaben vollständig umgesetzt und durchgesetzt werden, heißt es seitens der EU-Kommission. Gemeinsam mit den Mitgliedstaaten müsse  ermittelt werden, in welchem Umfang die Nährstoffbelastung zur Erreichung dieser Ziele gesenkt werden muss und wie eine ausgewogene Düngung und eine nachhaltige Nährstoffbewirtschaftung auszusehen hat. Dabei ist auch die Stickstoff- und Phosphorbewirtschaftung während des gesamten Lebenszyklus der Pflanzen zu betrachten.

Die internationale Vereinigung europäischer Rübenanbauer (CIBE) nimmt dazu für den europäischen Rübensektor Stellung. Sie weist darauf hin, dass  aus einer kleinen Saatgutpille im Laufe der Vegetation eine etwa 1.000 Gramm schwere Zuckerrübe heranwächst. Um diese enorme Gewichtszunahme insbesondere der Trockenmasse zu erreichen, benötigt die Pflanze ausreichend hohe Temperaturen, genügend Wasser und nicht zuletzt geeignete und ausreichende Nährstoffe. Nährstoffe werden so weit wie möglich vom Boden bereitgestellt, müssen jedoch durch eine optimale Ausbringung von Dünger ergänzt werden. CIBE betont daher, dass beim geplanten Aktionsplan für ein integriertes Nährstoffmanagement der grundlegende Bedarf der Kulturpflanzen an der jeweils angemessenen Nährstoffversorgung während ihres gesamten Wachstums anerkannt werden sollte. Zudem müsse es einen umfassenden Überblick über bereits bestehenden Praktiken bzw. Systeme geben, die einen angemessenen und gezielten Einsatz von Düngemitteln gewährleisten.

In diesem Zusammenhang erinnert CIBE daran, dass beispielsweise in Frankreich der Einsatz von mineralischem N-Dünger von rund 160 kg/ha in den 1980er Jahren auf weniger als die Hälfte dieser Menge in den 2010er Jahren reduziert wurde. In den Niederlanden wurde in den letzten 20 Jahren mehr als 20 Prozent Stickstoff reduziert. In Belgien, Süddeutschland und Österreich habe sich die Ausbringungen von Stickstoff und Phosphor seit den 1980er Jahre sogar mehr als halbinert. Ferner haben die Beratungsangebote zu einem ausgewogenen Düngemitteleinsatz insbesondere in Dänemark, Schweden und Finnland stark zugenommen.

In Bezug auf das Überangebot an Phosphor in landwirtschaftlichen Böden weist die CIBE darauf hin, dass dieses Problem nicht in der gesamten EU weit verbreitet ist, sondern auf bestimmte Mitgliedstaaten – und hier auf bestimmte Regionen – beschränkt ist. Tatsächlich sind landwirtschaftliche Böden in vielen Regionen der EU mit Phosphor unterversorgt!

Grundsätzlich befürwortet die CIBE einen Aktionsplan, der zu einer weiteren Verbesserung des Einsatzes von Düngemitteln führt – sei es durch weitere Vorteile für Ernteertrag und -qualität und/oder eine weitere Verbesserung der Bodenstruktur und des Bodennährstoffzustands mit wiederum positiven Auswirkungen auf den Ernteertrag und die Qualität. Entsprechende Techniken müssen jedoch für die Erzeuger verfügbar, sicher, effektiv und erschwinglich sein.

Nicht zuletzt sollten innovative Züchtungstechniken dazu beitragen, Pflanzensorten zu entwickeln, die die verfügbaren Nährstoffe effizienter nutzen und damit weniger Düngemitteleinsatz pro produzierter Ernteeinheit erforderlich ist. Daher sollten die EU-Kommission und die Mitgliedsländer so schnell wie möglich ein positives Signal für neue Züchtungstechniken geben und einen einheitlichen gesetzlichen Rahmen dafür schaffen.

Unionsgeführte Agrarressorts legen „Burg Warberger Erklärung“ vor

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges haben die unionsgeführten Agrarressorts Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern Mitte März die „Burg-Warberger-Erklärung“ abgegeben. Diese umfasst 13 Punkte und richtet sich an den Bund, die Europäische Union und die Wirtschaft. Im Rahmen des Ministerbesuchs von Barbara-Otte-Kienast (Niedersachsen) und Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) am 10. März 2022 beim Ackerbauzentrum Niedersachsen in Warberg, verlasen die beiden Minister gemeinsam die Länderpositionen.

Im Fokus steht demnach die Ernährungssicherheit. Daher müsse ggf. die Produktion von Biokraftstoffen zurückstehen. Für Deutschland müsse der Selbstversorgungsgrad bei Getreide, Ölsaaten und Eiweißpflanzen erhalten bzw. angestrebt werden, so eine der Forderung der Agrarminister. Kostensteigerungen in der Landwirtschaft durch hohe Energie-, Futter- und Düngemittelpreise sollen an den Verbraucher weitergegeben werden. An die Adresse von Bundesagrarminister Cem Özdemir gerichtet heißt es in der Erklärung: „Wir fordern den Bund auf, seine agrarpolitischen Handlungsspielräume im Interesse der kurzfristigen Abmilderung der Krisenfolgen zu nutzen!“ Hierzu sollte u. a. im Rahmen der Umsetzung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik die vorübergehende Aussetzung von Verpflichtungen zur Flächenstilllegung ermöglicht werden.

Angesichts des Krieges vor den Toren Europas muss „Die gesamte Agrarpolitik auf den Prüfstand“, so Otte-Kienast im Pressegespräch. Minister Schulze ergänzt: „Ökologische Aspekte sind wichtig. Sie müssen aber jetzt für die nötige Zeit ein Stück zurücktreten und  produktionseinschränkende Maßnahmen zurückgefahren werden.“ In diesem Zuge appellierten die Minister auch an die Verantwortung für die Versorgung außerhalb der Grenzen Deutschlands und Europas.

"Burg Warberger Erklärung" Download

DNZ-Verbandsvorsitzender Eckhard Hinrichs (li.) im Gespräch mit dem sachsen-anhaltinischen Landwirtschaftsminister Sven Schulze.
Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kienast und ihr Amtskollege aus Sachsen-Anhalt, Minister Sven Schulze haben am 10.3.2022 die „Burg Warberger Erklärung“ unterzeichnet.

Auswirkungen der russischen Invasion auf den europäischen Zuckersektor

Bedeutung der Landwirtschaft für die strategische Autonomie Europas

Angesichts der schrecklichen Nachrichten in der Ukraine, hat die Internationale Vereinigung der Europäischen Rübenanbauer (CIBE) einige Zahlen und Informationen zur aktuellen Situation der Zuckerproduktion in der Ukraine sowie in Russland zusammengefasst. Dies umfasst auch den Handel mit der EU.

In der Ukraine werden jedes Jahr durchschnittlich rund 1,2 Millionen Tonnen Zucker produziert. Exporte liegen laut der Internationalen Zucker-Organisation (ISO) zwischen 150.000 und 500.000  Tonnen, wobei die Ukraine über ein EU-Freihandelsabkommen von rund 20.000 Tonnen pro Jahr verfügt. Dieses Freihandelskontigent wird überwiegend von Spanien, Rumänien und Bulgarien abgenommen.

Die russische Zuckerproduktion liegt durchschnittlich zwischen 5 und 8 Millionen Tonnen pro Jahr. Für den Export stehen jährlich 0,5 bis 1,5 Millionen Tonnen zur Verfügung, die hauptsächlich von den Nachbarländern Usbekistan, Kasachstan, Turkmenistan, Aserbaidschan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan etc. abgenommen werden. Die Weißzuckerausfuhren der EU27 nach Russland beliefen sich in den Jahren 2019 und 2020 auf rund 20.000 Tonnen.

Im Falle von Beschränkungen im Zuckerhandel zwischen der EU27 und der Ukraine bzw. Russland hätte dies laut Angaben der CIBE keine größeren Auswirkungen auf die Zuckerbilanz der EU27.

Anders sieht es hingegen bei den Zucker-Nebenprodukten aus, denn die EU27 sind zusammen mit Großbritannien ein Nettoimporteur von Rübenschnitzel mit rund 900.000 Tonnen pro Jahr. Russland, Belarus und die Ukraine sind damit die Hauptlieferanten von Rübenschnitzel in der EU. Die wichtigsten EU-Importeure von Rübenschnitzel sind Spanien, Irland, Dänemark, Italien, Griechenland und Polen. Zudem zählt Russland auch zu einer der Hauptlieferanten von Rübenmelasse in die EU. Hauptabnehmer-Länder sind hier Spanien, Italien, Portugal, Belgien und Dänemark.

Der europäische Dachverband der Landwirte und der landwirtschaftlichen Genossenschaften (copa*cogeca) ruft angesichts der russischen Invasion zu einer vereinten europäischen und internationalen Zusammenarbeit auf. Die Destabilisierung der Ukraine habe bereits wichtige globale Konsequenzen, denn sowohl die Ukraine als auch Russland seien wichtige internationale Agrarexporteure. So bezieht die EU ein Viertel des Getreides aus der Ukraine;  auch Pflanzenöle und Mais gehören zu den wichtigsten Importprodukten der EU. copa*cogeca mahnt an, dass daher nicht nur die Energieversorgung, sondern auch die Landwirtschaft eine entscheidende Rolle spiele. Um ein starkes und friedliches Europa zu erhalten, sei die Gewährleistung der Ernährungssicherheit und der Lieferketten grundlegend. EU-Entscheidungsträger müssten daher entschlossen und schnell handeln.

Was sind die politischen Instrumente zur Erreichung der F2F-Ziele?

Die europäische Agrar- und Ernährungswirtschaft gehört zu den ressourcen-effizientesten und nachhaltigsten in der Welt. Sie bedarf daher der Unterstützung der EU-Agrarpolitik, um die Erwartungen der Gesellschaft und der Politik für ein nachhaltiges Lebensmittelsystem weiter zu erfüllen. Dazu sind zahlreiche Innovationen notwendig, die sowohl legislative als auch finanzielle Unterstützung benötigen.

In einer Online-Fachveranstaltung in der vergangenen Woche sind 19 Verbände und Organisationen[1] des Agrar- und Lebensmittelsektors in der EU der Frage nachgegangen: "Farm-to-Fork-Strategie – Was sind die politischen Instrumente, die zur Erreichung der Ziele erforderlich sind?" Hintergrund ist, dass in acht Jahren die Ziele der Farm-to-fork-Strategie umgesetzt werden sollen. Es wurde nach lösungsorientierten Ansätzen gesucht, die auf der derzeitigen Faktenlage aufbauen.

Hinsichtlich Tierwohl benötigt es eine technische, digitale Transformation mit Zugang u. a. zur Biotechnologie und zu Robotik, Gentests, Impfstoffe etc. Um die Auswirkungen der Treibhausgasemissionen in der Tierhaltung zu reduzieren, soll Futter auf nachhaltigen Agrarstandorten angebaut werden und mehr an eine Kreislaufwirtschaft gebunden sein. 

Bei der Agrartechnik steht die Produktivität unter dem Gesichtspunkt seines wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Werts im Vordergrund. Eine zukunftsgewandte (Präzisions-)Technik mit digitalen Lösungen soll zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und gleichzeitig mehr Nachhaltigkeit führen.

Im chemischen Pflanzenschutz werden Substanzen mit geringem Risiko als Ersatz für Mittel zur Bekämpfung von Schädlingen und Krankheit beim Verlust synthetischer Moleküle gesucht. Es  braucht Zeit, um tragfähige und innovative Alternativen zu entwickeln, die durch neue Züchtungstechnologien (und ihre Produkte) beschleunigt werden können.

Innovation hört nicht an Grenzen auf. Es besteht daher großer Bedarf an einer zukunftsorientierten Europäische Innovationspolitik unter Berücksichtigung von Ernährungssicherheit und Nachhaltigkeit im Zusammenspiel mit den derzeitigen Lieferketten. Ein weiterer Punkt auf dem Weg zur Umsetzung der Farm-to-Fork-Strategie liegt in der fachlichen Beratung. Nur mit der Erforschung und Weitergabe von Wissen, werde es möglich sein, die  angestrebten Ziele zu erreichen. Dabei sind schnelle, lösungs- und innovationsorientierte Ansätze von lokaler Relevanz, aber globale Reichweite gefragt.

Mit Spannung erwartet die Agrar- und Lebensmittelindustrie nun Vorschläge der EU-Kommission u. a. zur Verlagerung von CO2-Emissionesquellen, zur strategischen Autonomie Europas und zu den Verbraucherpreisen. Im Bekenntnis zur Gemeinsamen Agrarpolitik werden weiterhin zudem einheitliche Richtlinien über Handelspraktiken für eine ausgewogene und transparente Wertschöpfungskette erwartet.


[1] Zu den Unterstützern zählen: Agriculture&Progress, Agri-food Chain Coalition, Animalhealth Europe, AVEC, CEMA, CIBE, Clitravi, CONCERAL, Copa-Cocega, CropLife Europe, EFFAB, ELO, European Livestock Voice, Euroseed, ePURE, FEFAC, FEFANA, UECBV