Die Europäische Kommission hat am 30. April 2026 ihre zweite Schätzung für die Zuckerproduktion in der EU-27 für das Wirtschaftsjahr 2025/26 veröffentlicht. Demnach wird die Gesamtproduktion auf 16,6 Millionen Tonnen geschätzt. Dies entspricht einem leichten Anstieg von 0,2 % gegenüber dem Vorjahr und liegt deutlich über den Erwartungen aus dem Sommer 2025, als die Kommission noch von deutlich geringeren Mengen ausging.
Ausschlaggebend für die unerwartet hohe Produktion sind außergewöhnlich hohe Erträge. Die Zuckerrübenanbaufläche in der EU ging zwar um 10,6 Prozent auf knapp 1,4 Millionen Hektar zurück, aber der durchschnittliche Zuckerertrag lag EU-weit bei 12,2 Tonnen pro Hektar – der zweithöchste Wert aller Zeiten. Ein höherer Wert wurde lediglich im Wirt-
schaftsjahr 2017/18 erzielt.
Regionale Unterschiede prägen die Entwicklung: In Nord- und Osteuropa (Region 1) ging die Produktion um 5 Prozent auf 4,7 Millionen Tonnen zurück. Während Polen seine Produktion stabil halten konnte, verzeichneten Tschechien und Österreich deutliche Rückgänge. Besonders ins Gewicht fiel dabei natürlich die Schließung eines Werkes in Österreich.
Im Gegensatz dazu legte die Produktion in Westeuropa (Region 2 – Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande) um 5 Prozent gut auf 11,4 Millionen Tonnen zu. Verantwortlich hierfür sind außergewöhnlich hohe Erträge, insbesondere in Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Frankreich konnte seine Produktion deutlich steigern und erreichte den
höchsten Stand seit 2019/20. In Deutschland hingegen sank die Produktion trotz guter Erträge aufgrund einer deutlich kleineren Anbaufläche.
Südeuropa (Region 3) verzeichnete einen massiven Einbruch: Die Zuckerproduktion fiel um 33 Prozent auf nur noch 0,47 Millionen Tonnen – ein historischer Tiefstand. Gründe hierfür sind die Reduzierung der Anbauflächen sowie Erträge von durchschnittlich nur 6,6 Tonnen pro Hektar. Die gestiegene Zuckerproduktion befeuert die angespannte Marktsituation. So werden die Lagerbestände zum Ende des Wirtschaftsjahres 2025/26 auf rund 2,6 Millionen Tonnen geschätzt und liegen damit deutlich über dem üblichen Niveau. Eine erhoffte Reduzierung der Vorräte ist ausgeblieben. Zudem belasten – trotz niedriger EU-Preise – erweiterte Zuckerimporte den europäischen Markt. Entlastung erwartet die Europäische Kommission durch einen leichten Anstieg des Verbrauchs, vor allem durch erhöhte Nutzung im industriellen Bereich und für Bioethanol.
Angesichts der zum 30. September 2026 erwarteten Lagerbestände, die rund 30 Prozent über dem üblichen Niveau liegen dürften, ist eine deutliche Reduzierung der Produktion erforderlich, um das Marktgleichgewicht wiederherzustellen, so die Einschätzung der Zeitschrift SugarIndustry in ihrer Analyse Anfang Mai.